Donnerstag, 8. Mai, Puschkinplatz, 17 Uhr. Die traditionelle Kundgebung auf dem Ehrenfriedhof der bei der Befreiung Rostocks gefallenen Rotarmisten findet statt, organisiert vom Rostocker VVN-BdA. Es sprechen Vertreter der jüdischen Gemeinde und der Politik. Ähnlich die Zusammensetzung der antifaschistischen Teilnehmenden, Angehörige von Opfern des Faschismus, Genossen und Genossinnen, meist ältere Jahrgänge. Traditionell eben. Die meisten jüngeren antifaschistisch Gesinnten wehren sich (hoffentlich) gegen die Geschichtsverdrehung der Nazis in Demmin.
Neben der obligatorischen Polizeistreife finden sich jedoch zwei weitere Zaungäste ein, deren Anwesendheit wohl nicht dem Gedenken an die Befreiung vom deutschen Faschismus gewidmet ist.

Zwei mutmaßliche Faschisten, junge Männer von Anfang Zwanzig, beobachten die Veranstaltung von Außen. Der eine grinst mehrmals hämisch in die Runde während die Reden gehalten werden. Als anschließend die Blumen niedergelegt werden und die Teilnehmenden sich zu unterhalten beginnen, werden auch die Zaungäste gesprächiger. Man schnappt Wortfetzen auf, wie „Vergewaltigung“, „Schande“, „…zum Beispiel mein Opa“ und „…unsere Soldaten“. Wobei mit letzterem mit Sicherheit nicht die Befreier gemeint sein werden, bei jemandem, der ein Schlüsselband mit Eisernen Kreutzen trägt.

Ein Gefühl entsteht, das sich nicht in Worte fassen lässt. Das Titelzitat versucht es.